
Im Zuge des Ansatzes, Leichtbau mit hoch- und höchstfesten Stahlwerkstoffen zu betreiben, hat sich Presshärten zu einem Standardverfahren für die Herstellung sicherheitsrelevanter Strukturbauteile etabliert. Die …
P 871 - Charakterisierung der Reibverhältnisse beim Presshärten und partiellen Presshärten von höchstfesten Vergütungsstählen Im Zuge des Ansatzes, Leichtbau mit hoch- und höchstfesten Stahlwerkstoffen zu betreiben, hat sich Presshärten zu einem Standardverfahren für die Herstellung sicherheitsrelevanter Strukturbauteile etabliert. Die korrekte Prozessauslegung von Presshärteprozessen mit Hilfe der Finite-Elemente-Simulation (FE) erfordert genaue Kenntnisse der vorherrschenden tribologischen Bedingungen im Umformprozess. Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens wurde eine Versuchsanlage zur Ermittlung der Reibverhältnisse unter Presshärtebedingungen entwickelt und aufgebaut.
Das Ziel der Untersuchungen war, die Reibverhältnisse für das direkte und partielle Presshärten umfassend zu charakterisieren. Die Ergebnisse wurden mittels eines zeit- und ortsabhängigen numerischen Reibmodells in kommerzielle FE-Software integriert. Hierzu wurde im Projektzeitraum eine Warmstreifenziehanlage konzipiert, aufgebaut und in Betrieb genommen. Durch einen beheizten Schlitten, der dem Transport des erwärmten Blechs dient, wird dabei sichergestellt, dass die Reibverhältnisse unter prozessnahen Bedingungen durch Messung der Ziehkraft am Blechstreifen und der Normalkraft an der Reibbacke ermittelt werden können. Anhand von Streifenziehversuchen wurden Reibzahlen in Abhängigkeit der Prozessparameter Werkzeug- und Werkstücktemperatur, Flächenpressung und Relativgeschwindigkeit ermittelt. Hierbei wurde nachgewiesen, dass ein Anstieg dieser Prozessparameter für AlSi-beschichtete Bleche insgesamt zu einer Reduzierung der Reibzahl führt. Steigende Flächenpressungen und Relativgeschwindigkeiten resultieren für Bleche mit Zn-Beschichtung ebenfalls in einer reduzierten Reibung. Mit steigenden Temperaturen hingegen wurde eine erhöhte Reibung gemessen. Basierend auf den experimentellen Ergebnissen wurde ein Reibmodell entwickelt und in die FE-Software Auto-Form implementiert. Das entwickelte Reibmodell wurde anschließend in einem ersten Schritt anhand einer Napfzuggeometrie im Laborversuch verifiziert. Im Anschluss an das Projekt soll das Modell von den Industriepartnern anhand der Geometrie eines Serienbauteils bewertet werden. Die Prozesssimulation in der Warmblechumformung, insbesondere beim partiellen Presshärten, wird durch das erweiterte Reibmodell deutlich verbessert. Dadurch kann die äußerst kosten- und zeitintensive Prozessauslegung einschließlich der Werkzeugeinarbeitung, insbesondere auch für KMUs, beschleunigt werden. Zudem kann eine gezielte Weiterentwicklung von Werkstoffen und Beschichtungen hinsichtlich tribologischer Eigenschaften durch die Stahlhersteller erfolgen. Das Forschungsvorhaben wurde am Lehrstuhl für Fertigungstechnologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit fachlicher Begleitung und mit finanzieller Förderung durch die Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V., Düsseldorf, durchgeführt.

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P 822 - Einsatz des Laserstrahl-MSG-Hybridschweißverfahrens an längsnahtgeschweißten Großrohren der Güte API-X80/ -X100 zur Steigerung der Zähigkeit und Erhöhung der Wirtschaftlichkeit Moderne Öl- und Gaspipelines werden zu einem erheblichen Anteil aus längsnahtgeschweißten Großrohren der API-Stahlgüten X65 (L450, 1.8726) und X70 (L485, 1.8727) hergestellt. Ständig wachsende Erdgas-und Erdölförderraten in Verbindung mit Wandstärkenminimierung oder Betriebsdruckerhöhung erfordern zukünftig entsprechende Werkstoffsubstitutionen durch moderne höherfeste Werkstoffe, wie z.B. API-X80 (L555, 1.xxxx), X100 (L690, 1-xxxx) und X120, mit hinreichender Festigkeit und Zähigkeit. Zur schweißtechnischen Fertigung dieser Rohre kommt das UP-Schweißverfahren zum Einsatz. Zuvor wird die gesamte Rohrlänge mit einer durchlaufenden MSG-Heftnaht geschweißt. Zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit soll dieser Prozessschritt durch das Laserstrahl-MSG-Hybridschweißverfahren ersetzt werden. Für den sicheren Betrieb von Großrohren ist neben der Beachtung der Festigkeitseigenschaften vor allem die geforderte Kerbschlagzähigkeit der Schweißverbindung einzuhalten. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen dieses Forschungsvorhabens als primäres Forschungsziel das Erreichen einer hinreichenden Zähigkeit im Temperaturbereich von -60°C und -40°C bei wirtschaftlichen Prozessparametern definiert und systematisch untersucht. Für das Laser-MSG-Hybridschweißen der genannten hochfesten Pipelinewerkstoffe wurden geeignete Zusatzwerkstoffe (Massivdraht- und Fülldrahtelektrode) identifiziert und systematische Studien zur Abhängigkeit der Zähigkeit vom Erstarrungsverhalten und der erzielbaren Aufmischungstiefe durchgeführt. Eine erhöhte Wirtschaftlichkeit beim Einsatz der Laserhybrid-Technologie wird vor allem in der geänderten Nahtvorbereitung gesehen. Eine konstruktive Änderung der Fugenform führt zu der Reduzierung des Nahtvolumens und somit zu der erheblichen Senkung der Produktionskosten, weil in diesem Fall die erforderliche Menge des Zusatzwerkstoffes zum Auffüllen der Naht reduziert wird. Anhand von angefertigten Demonstratoren wird eine ca. 2,7-fache Reduzierung des Nahtquerschnittes und somit der erforderlichen Menge des Zusatzwerkstoffes nachgewiesen. Das IGF-Vorhaben 16415 N der FOSTA –Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V., Düsseldorf, wurde an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Fachbereich 9.3 "Schweißtechnische Fertigungsverfahren", Berlin, durchgeführt und über die AiF im Rahmen des Pro-gramms zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf-grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Autoren: M. Rethmeier, S. Gook, A. Gumenyuk Veröffentlichung: 2013
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